The Entanglement between Gesture, Media, and Politics

DE ENG
The
Entanglement
between
Gesture, Media,
and Politics
Irina Kaldrack und Tobias Schulze Dancing Fists

Irina Kaldrack und Tobias Schulze
Dancing Fists

Kurzvideos, Stories, Memes, collagenartige Zusammenschnitte von Webclips und selbst aufgenommene Sequenzen – immer mehr Videos finden sich auf verschiedenen Plattformen und werden in sozialen Netzwerken jeglicher Art geteilt; Tendenz steigend. Social media wird social video, sei es als WhatsApp-Story, in regelmäßigen Vlogs auf YouTube, auf Snapchat oder auf TikTok (ehemals musical.ly). Mit TikTok erstellen überwiegend jugendliche NutzerInnen (früher 15-sekündige, mittlerweile bis zu 60-sekündige) lippensynchrone Playback-Clips zu Ausschnitten von (Pop-)Songs, Film-Soundtracks, aber auch zu Comedy-Sketchen oder Reden und laden sie anschließend auf die angegliederte Plattform hoch. Der Erfolg von TikTok ist ungebrochen und gerade bei Teenagern und jungen NutzerInnen ist die App beliebt.

Vorgängerin der App TikTok und Initiatorin des aktuellen Hypes um lippensynchrone Videoschnipsel war die 2014 veröffentlichte chinesische App musical.ly, die von über 140 Millionen Musern – der gebräuchliche Begriff für musical.ly-User – weltweit genutzt wurde. Typische Videos bestehen aus Tanzsequenzen, Bewegungen und lippensynchrone Gesangsperformances im Stile von Musikclips. Dabei illustrieren die NutzerInnen die wahrgenommene Audiospur mit kurzen Choreografien (teils als Tutorial), gestischen Vokabeln, Darstellungen der Textinhalte oder auch Handy-Steuerungsgesten wie das Wischen. musical.ly wurde explizit für Jugendliche beworben und mit einer Altersuntergrenze von 13 Jahren zugänglich gemacht. Die Zwillinge Lisa und Lena aus Deutschland, geboren 2002, wurden durch ihre musical.ly-Clips international bekannt. Zwischen 2015 und 2019 machten sie die App in Deutschland populär. Dann verließen sie wegen Sicherheitsbedenken die Plattform. Durch Vorwürfe, Pädophilie anzuziehen und Jugendschutz nicht adäquat zu berücksichtigen, geriet musical.ly mehr und mehr in Verruf. 2017 wurde es von Bejing Bytedance Technology gekauft und mit der ähnlich funktionierenden chinesischen Social-Video-Plattform TikTok verschmolzen. Initiale Probleme des mangelhaften Jugendschutzes und Datenschutzes blieben allerdings relevant, so dass TikTok zu hohen Strafen verurteilt wurde.

Die mittlerweile rund 800 Millionen NutzerInnen verwenden die Plattform nicht nur, um Songausschnitte zu synchronisieren, sondern auch, um auf politische, soziale und gesellschaftliche Thematiken aufmerksam zu machen. Ende 2019 wurde bekannt, dass TikTok ein mehrstufiges Moderationssystem nutzt, welches auf „Shadow Ban“ basiert: Eigene Videos bleiben sichtbar, werden jedoch je nach internem Ranking für andere NutzerInnen weniger prominent bis gar nicht angezeigt. Ein solches Moderationssystem erfasst und bewertet LGBTQI*-Inhalte, Inhalte von Menschen mit Behinderung, politische Inhalte, hier insbesondere zu Protesten in Hongkong oder zur systematischen Internierung von Uiguren durch die chinesische Regierung.1 In diesem Zusammenhang werden immer wieder Zensurvorwürfe erhoben und Vermutungen laut, dass TikTok chinesischen Regierungsbehörden in die Hände spielt – trotz oder gerade weil sie als eine harmlose App für Teenager erscheint.

Feeling bad: Die Hand ist locker, kaum geöffnet nach unten hängend. Die Finger sind schlaff und kraftlos. Ich führe meine linke Hand von oben in den Bildausschnitt der Kamera. Ich schüttele den Arm mit sehr kleinen Bewegungen nach unten aus. Dabei fallen die einzelnen Finger locker auseinander. Die Hand ist nun leicht geöffnet und einzelne Finger hängen völlig ohne Anstrengung nach unten. Sie berühren sich nur leicht.

Ungeachtet der Kritik bleibt TikTok bei jungen Menschen eine beliebte App, mit der sich spielerisch einfach Videos erstellen, mit raffinierten Effekten versehen und mit einem Millionen-Publikum teilen lassen. Die App lässt sich ohne Registrierung nutzen; eine Anmeldung ist erst notwendig, um erstellte Videos zu speichern und zu veröffentlichen. Dann ist es möglich, mit anderen NutzerInnen in direkten Kontakt zu treten und ein eigenes Profil aufzubauen. Dabei verbleibt der komplette Produktions- und Verwertungszyklus des Videomaterials innerhalb der App: Online-Musikdatenbank, Videorecording, Videobearbeitung, Upload sowie die Komponenten des Social-Media-Netzwerks (Teilen, Kommentieren, Bewerten, Verschlagworten) gehen fließend ineinander über.

Öffnet man die App, werden sofort Videos mit großer oder mit stark wachsender Reichweite angezeigt, oder auch solche, in denen neue Effekte oder aktuelle „Challenges“ vorgestellt werden. Letztere geben bestimmte Aufgaben oder Bewegungsmuster vor, stellen meistens jedoch Tonspuren bereit, die von NutzerInnen nachgestellt, variiert, neu performt und dadurch aktualisiert werden. Unter gleichen und hervorgehobenen Schlagworten/Tags lassen sich verschiedene Interpretationen der Aufgabe abspielen – und ebenso neu einstellen. Durch gleiches Ausgangsmaterial, gleiche Effekte, Gesten, Bewegungen, Choreographien entstehen zwar Ähnlichkeiten, aber genau hier kristallisieren sich letztendlich die Unterschiede agonaler Natur heraus, die über interne Bewertungen, geteilte Inhalte und dem eigenen Stand innerhalb des Social Networks entscheiden. Ähnlich funktionieren „Duette“: Zu einem schon existierenden TikTok-Clip kann ein im Splitscreen geschnittenes Video erstellt werden. Dabei erscheint der bestehende Clip auf der rechten Seite des Splitscreens, die linke Seite ist für die neue Performance vorgesehen. Duette können somit zum direkten Vergleich der ausgeführten Bewegungen dienen, ermöglichen Partnertänze oder gestatten eine zeitversetzte Interaktion mit anderen NutzerInnen auf Basis einer identischen Ausgangstonspur. Letztendlich geht es gleichermaßen um die detailgetreue und exakte Nachahmung von Bewegungen und die virtuose Performance, wie auch um eine kreative Aneignung und Veränderung. „Challenges“ wie Duette regen zur Teilnahme und Teilhabe an – und zwar in Form eines anerkennenden Wettbewerbs zwischen NutzerInnen der Plattform.

TikTok-Videos sind in erster Linie Selfie-Videos. Der prominent platzierte „Plus“-Button erlaubt es, neue Videos aufzunehmen. Dabei fordert die App durch ihre Benutzeroberfläche dazu auf, Videos im portrait format zu produzieren. Eine Oberfläche zur Sound-Auswahl gestattet Zugriff auf eine umfassende Datenbank. Tonspuren lassen sich nach der Auswahl unkompliziert beschneiden, um der Längenbegrenzung von maximal 60 Sekunden zu genügen. In der Benutzeroberfläche werden prominent Werkzeuge zur Zeitachsenmanipulation angezeigt: Per Einstellung lässt sich der Ton im Aufnahmemodus verlangsamt, beschleunigt oder in Normalgeschwindigkeit abspielen. Die Anzeige der Geschwindigkeit von 0.3x, 0.5x, 1x, 2x, 3x2 bezieht sich hierbei nicht auf die Abspielgeschwindigkeit der Tonspur, sondern auf die letztendlich automatisch vorgenommene Geschwindigkeitsänderung des aufgenommenen Videos: Die Einstellung 0.5x bedeutet, die Tonspur spielt während der Aufnahme doppelt so schnell und die ausgeführten Bewegungen erscheinen im fertigen Video in der Zeitlupe mit Faktor 0.5 – die Tonspur hingegen läuft final immer in der Originalgeschwindigkeit. So ergibt die Einstellung 3x eine sehr langsam abgespielte Tonspur während der Aufnahme, die es NutzerInnen erlaubt, zu Gehörtem präzise und exakte Lippen-, Handy- und Körperbewegungen oder Stop-Tricks auszuführen.

Come on now get up: Ich balle meine linke Hand zur Faust und lege den Daumen über die zweiten Fingerglieder der anderen Finger. Der Griff ist fest und umschließend. Ich strecke die Faust in Richtung Kamera. Ich drehe meine Faust um die Handinnenfläche nach unten. Meine Knöchel bilden eine vertikale Linie. Ich setze die Faust kurz auf einer gedachten Ebene ab. Ich hebe die Faust und drehe sie um die Handinnenfläche nach oben. Meine Knöchel bilden erneut eine vertikale Linie. Ich setze die Faust kurz auf einer gedachten Ebene ab. Diese Bewegungen wiederhole ich mehrmals. Bei jeder Drehung hebe ich meinen Arm ein Stück höher – meine Faust klettert stetig nach oben.

Die App stellt in einer Sammlung verschiedene Filter, Effekte und AR-Elemente zur Verfügung. NutzerInnen können aus durchaus aufwendigen Effekten wählen. Dazu gehören zum Beispiel Spiegelungen, Morphing/Warping/Verzerrungen sowie Masken, Dekorationen und Schönheitsfilter, die aus Memes und Subkulturen bekannt sind, aber auch Quizspiele, Zufallsfragen, Aufgaben, in den Raum projizierte Tiere, Fotorahmen usw. Die Effektsammlung wird regelmäßig aktualisiert, sodass Internethypes sehr schnell in TikTok integriert werden und weitere Popularität erlangen. Sobald man wenige Sekunden Material aufgenommen hat, kann dieses zur Probe in Originalgeschwindigkeit und unter Anwendung aller Zeit- und Bildeffekte angeschaut werden. Änderungen am Material sind allerdings nur linear nach dem Last-In-First-Out-Prinzip möglich: Jeweils nur das letzte Teilstück der Aufnahme ist löschbar, eine nachträgliche Bearbeitung ist generell ausgeschlossen. Mit der Finalisierung des entstandenen Materials gibt es die Möglichkeit, die Clips im Social Network zu veröffentlichen, zu teilen, mit Kommentaren und Likes zu versehen.

Charakteristisch für TikTok-Videos ist die intensive Nutzung von Film- bzw. Videotricks wie Stop-Trick und Zeitlupe oder Schnellvorlauf, Filtereffekten sowie und insbesondere das Zusammenspiel von Hand- und Kamerabewegung. Schon mit musical.ly etablierte sich bei textbegleitender Interpretation gehörter Musikausschnitte eine Art Gestenvokabular für typische Motive aus Popsongs wie „verlieben“ oder „gebrochene Herzen“, die in Tutorials erklärt wurden und werden. Um Videos aufzunehmen, mussten die NutzerInnen der Vorgänger-App musical.ly das Handy halten und mit einem Finger den Aufnahmebutton durchgehend berühren (In TikTok erfolgt Start und Stopp jeweils durch Tippen auf den Aufnahmebutton). Aus dieser Tradition der erzwungenen Einhandbedienung entstand eine interessante Ästhetik, die aus Ermangelung an der Benutzbarkeit der zweiten Hand Substitute zu bemühen versuchte. Mit dem Zusammenspiel von Hand- und Kamerabewegung ist es unter anderem möglich, das Handy als zweite Hand zu nutzen. Eine Geste, ganz gleich ob bewegt oder unbewegt, wird mit der freien Hand wie gewohnt ausgeführt und die Bewegung der zweiten Hand wird durch die Bewegung des Handys bei laufender Kamera ersetzt. Dadurch haben sich Darstellungsgesten etabliert, aber auch Steuerungs-Gesten-Tricks, wie ein „Sich-selbst-aus-dem-Bild-Wischen“. Entscheidend ist, dass diese durch das Zusammenspiel der gefilmten und der filmenden Hand entstehen. Die videografierte Geste bildet sich zwischen Bildfläche, bewegt-gefilmter und bewegend-filmender Hand. Bei der stilisierten Handherz-Geste wird sowohl mit der freien Hand als auch mit dem Handy die halbe Herzrundung nachgezeichnet. Beide Teile sind alleinstehend schwer erkennbar, kombiniert im Zusammengreifen von Körper- und Handybewegung allerdings ergibt sich ein Bild, was sich gegenseitig aus Hand- und Bildbewegung ergänzt.3 Das Handy ist zum Zu-, Mit- und Gegenspieler der Geste geworden. Das Charakteristikum ist das gestische und bewegende Spiel zwischen Handy und Körper. Deutlich wird hier: Die Geste ist nicht innerer Ausdruck, sondern eine ornamentale, bildgestaltete – und bildgestaltende! – Bewegung.

Try and understand: Ich hebe meinen linken Arm an, beuge ihn und halte meine offene Handinnenfläche mit einigem Abstand seitlich meines Kopfes auf etwa gleicher Höhe. Ich rolle meine Finger in die Handfläche, bis die Fingerkuppen meine Handinnenfläche berühren. Es entsteht eine Spannung in der Hand. Den Daumen lege ich über die anderen Finger. Meine Faust ist ein Maul geworden und schaut in meine Richtung. Ich achte darauf, dass ich meine Faust seitlich zur Kamera positioniere. Ich hebe den Daumen von den anderen Fingern mit gleichmäßigem Abstand ab und lege ihn wieder an. Diese Bewegung wiederhole ich. Das Maul spricht.

Häufig spielen die dargestellte und die filmende Handbewegung zusammen, um Effekte einer gestischen Handlung zu mimen. Eine Hand ist eine Pistole, schießt auf die Kamera und der Bildschirm wackelt. Natürlich lässt sich mithilfe von Videoeffekten eine zersprungene Scheibe andeuten, aber gerade das Rütteln des Bildschirms als Rückstoß oder Aufprall des Geschosses wirkt hier untermauernd bebildernd. Die Hand am Handy lässt die Geste zur bildlichen Handlung werden, indem sie deren Effekte durch drehen, rütteln, verschieben für die Sicht der ZuschauerInnen erzeugt. Das Handy wird zum Partner der Performance und Teil (bild-)gestischer Verhältnisse. Zwar bietet TikTok mit einer Vorschaufunktion die Möglichkeit, aufgenommene Clips direkt im Anschluss an die Aufnahme zu prüfen, doch den reflexiven, andersartigen und technifizierten Außenblick braucht es bereits bei der Konzeption und Aufnahme. Die ProduzentInnen solcher künstlerisch in Szene gesetzten TikTok-Videos antizipieren gleichzeitig den Blick der RezipientInnen und die materiell-technischen Dimensionen des Smartphones als Aufnahmegerät.

Die App TikTok spielt mit der Verwendung von Gesten. Viele Effekte erfordern eine kreative und choreographierte Auseinandersetzung mit technischen Vorgaben. Ein Beispiel ist ein Effekt, der im oberen Bildausschnitt des Aufnahmemodus drei Gesten durch grafische Icons vorgibt: Die Victory-/Peace-Geste, die Okay-Geste und die Finger-Heart-Geste4, alternativ auch das I-Love-You-Zeichen der amerikanischen Gebärdensprache oder das Shaka-Zeichen (auch bekannt und benutzt um Telefonhörer zu stilisieren). Wenn eine der Gesten vor der Kamera ausgeführt wird, löst diese ein Foto aus. Das Foto wird an die Stelle des vorgezeichneten Gesten-Icons gesetzt. NutzerInnen spielen damit, aus den drei nacheinander aufgenommenen Fotos eine Collage zu erstellen, etwa sich selbst zu „schlagen“, miteinander zu essen oder aktuelle Memes zu personifizieren.5 Die Herausforderung besteht darin, die auslösende Steuergeste präzise auszuführen und danach schnell – nämlich innerhalb der einen Sekunde Auslöseverzögerung – die Haltung einzunehmen, die den richtigen Bildausschnitt in der Collage erzeugt. Der Witz dieses Filters besteht darin, dass NutzerInnen den kompletten Produktionsablauf mit aufnehmen. Das heißt, hier wird das Making-of der Collage automatisch mitproduziert, entsprechend sind die Fails auch Teil des Clips. Falsch oder nicht erkannte Auslösegesten werden ebenso gezeigt, wie eigene Schusseligkeit, Stolpern, Fehlhaltungen oder andere Zufälle. TikTok trainiert die möglichst exakte Ausführung einer tradierten und bekannten Geste, die in diesem Fall als Steuergeste dient und bei langsamer Reaktion unbeabsichtigt oder gewollt zu einer Bildgeste wird. Es findet eine Verquickung von beabsichtigten, verbildlichenden Körperhaltungen und -bewegungen sowie Gesten statt, die am Kipppunkt zwischen Funktionalität und Virtuosität stehen.

Die Geste ist in TikTok mehr als nur eine textbegleitende Bewegung. Sie ist Körpertechnik, erfordert Virtuosität und Präzision und verbildlicht Songtexte, Reden, Sketche. Sie funktioniert als Steuergeste oder Bildgeste, sie formatiert einen Körper-Bild-Bewegungszusammenschluss. Die eigenen Körperbewegungen, die Rolle der aufnehmenden Hand, eine imaginierte Rolle des Gegenübers und physikalische Dimensionen des Aufnahmegeräts greifen ineinander. TikTok erscheint als Plattform zur Erprobung gestischer Verhältnisse, die Geste wird Mittlerin zwischen Körper, Technik und Drittem.

Just raise your hand: Ich balle meine Hand zur Faust, lege den Daumen auf die Fingerglieder ab und beuge den Arm an. Ich strecke die Faust in die Höhe und bewege sie frontal zur Kamera hin und wieder weg. Ich achte darauf, dass die Faust innerhalb der Bildfläche bleibt. Ich probiere verschiedene Winkel aus, in denen ich meine Faust in Richtung Kamera bewege. Ich verändere die Abstände zwischen Faust und Kamera. Ich löse die Faust und entspanne meine Hände und Arme.


2 In vorherigen Versionen 0.25x, 0.5x, 1x, 2x und 4x.

3 Vgl. youtu.be/2ICGnFAHePQ?t=135, Zeitstempel 02:15 (27.01.2020).

4 Ursprünglich im Kontext des südkoreanischen K-Pop bekannt geworden bildet die Geste ein Herz ab, das aus aneinander gelegten Daumen und Zeigefinger entsteht. Bekannt ist die Handhaltung hier mit entsprechender Bewegung eher als Geste für Geld, oder: nach Geld fragen.

5 Vgl. youtu.be/x5jvp3g5wNM (27.01.2020).

Das Projekt

Das Projekt „The Entanglement between Gesture, Media, and Politics“ untersucht die Verschränkungen körperlicher Gesten mit zeitgenössischen ubiquitären und global vernetzten Medientechnologien.

(Sich) Zu zeigen erhält einen neuen Stellenwert, sowohl in global zirkulierenden Bewegtbild-Medien als auch in zunehmend von Sensoren und Prozessoren durchzogenen Alltagswelten. Dabei ändern sich Präsenz und Öffentlichkeit, so die Annahme des Projekts. Es gilt zu analysieren, wie unterschiedliche Formen von Gegenwärtigkeit und Öffentlichkeit verfasst sind und wie sie entstehen. Die Arbeit an zwei Schwerpunktthemen soll diese Prozesse erfahrbar machen und die Reflexion ermöglichen.

Mehr

Die Publikation

Throwing Gestures untersucht das aktuell gestiegene Interesse an Gesten und ihre Verschränkung mit Medien und Politik.

Gesten gehen von Körper zu Körper über und bewegen sich zwischen unterschiedlichen Zuständen medialer Repräsentation. Protestbewegungen und ihre jeweilige Ästhetik, die jahrzehntelange Fortschreibung sozioökonomischer Krisen, die prekäre Lage von sogenannten Gig-Workern und diverse Mechanismen zur Quantifizierung von Arbeit und Freizeit sind einige der angesprochenen Themen.

Mehr

Projekte

Workshop I / Braunschweig

Vom 24. bis zum 28. April 2017 trafen sich die ProjektteilnehmerInnen zum ersten Workshop in Braunschweig. In intensiven Arbeitstagen stellten wir einander unsere Materialien und Methoden vor, zeigten Zwischenergebnisse von Recherchen, wir orteten gemeinsame Interessen an ausgewählten Fallbeispielen und erprobten unterschiedliche Methoden, um sich diesen analytisch anzunähern.

Workshop II / Hallein

Das internationale Kunst- und Design-Festival „Schmiede Hallein“ war der Rahmen für den zweiten Workshop des Forschungsprojekts „The Entanglement between Gesture, Media, and Politics“ vom 20. bis 30. September 2017. Auf einem Teil des weitläufigen Areals einer ehemaligen Saline konnte das Projektteam einen Ort schaffen, der Experimente mit körperlichen Gesten, mit Technik und räumlichen Installationen ermöglichte.

Workshop III / Berlin-Köpenick

Der dritte Projekt-Workshop fand vom 15. bis 19. Mai in den Lake Studios, Berlin Köpenick, statt. Wir arbeiteten intensiv an Installationen, Lecture Performances und Choreografien. Nach den Phasen von Exploration und Experimenten zu unseren Schwerpunktthemen und Fallstudien konzentrierten wir uns nun auf deren Verdichtung und ästhetische Formen.

Workshop IV / Berlin-Kreuzberg

Vom 4. bis 10. September 2018 trafen wir uns zum vierten und letzten Workshop im Kunstquartier Bethanien. Wir arbeiteten intensiv an unseren kollektiven und individuellen Installationen für die Ausstellung im Dezember.

Abschluss-Veranstaltung
Symposium: Throwing Gestures

Symposiumsbericht von Christian Schwinghammer / Daniel Stoecker, Forschungskolleg SENSING: Zum Wissen sensibler Medien, Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM), Potsdam.

Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin. Symposium 8. Dezember 2018, 10–19 Uhr.

Ausstellung: Throwing Gestures

Rückblick auf die Ausstellung „Throwing Gestures“ im Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin. Vernissage am 7. Dezember 2018 – Ausstellungsdauer 9. bis 16. Dezember 2018

News

Abschlusspublikation: Throwing Gestures

Die Abschlusspublikation „Throwing Gestures“ erschien im September 2021 im Verlag für moderne Kunst. HerausgeberInnen sind Florian Bettel, Irina Kaldrack und Konrad Strutz.

Ausstellung: Throwing Gestures

Vernissage am 7. Dezember 2018 – Ausstellung ist täglich geöffnet, 12–20 Uhr – bis 16. Dezember 2018

G20

Dina Boswank, Timo Herbst, Irina Kaldrack, Silas Mücke, Marcus Nebe

Partner/Kooperationen

Durchgeführt an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig; gefördert durch die Volkswagen-Stiftung im Rahmen des Programms Arts & Science in Motion; unterstützt von der Universität für angewandte Kunst Wien.